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»Das Schmelzen der hochalpinen Gletscher veranschaulicht eindrucksvoll die Auswirkungen der menschengemachten Erderhitzung. Ausgestattet mit einer 3D-Brille versetzt die „Expedition 2 Grad“ uns in die virtuelle Welt rund um den Großen Aletschgletscher. Dort begegnen wir dem Naturwissenschaftler und Matterhorn-Pionier John Tyndall, der von 1820-1893 lebte. Mit ihm reisen wir im Zeitraffer durch die Jahrhunderte und werfen auch einen virtuellen Blick in die Zukunft: Wir sehen Fels, Geröll und Wasser, wo heute noch glitzerndes, faszinierendes Eis ist.«

Rita Schwarzelühr-Sutter

Drei Fragen an Noemi Chow und Niklaus Heeb

Wie ist die Idee zu Expedition 2 Grad entstanden?
Die Idee zur Expedition 2 Grad hat sich in Folge der Bachelor-Diplomarbeit von Noemi Chow, einer Absolventin der Fachrichtung und heutigen Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Knowledge Visualization ergeben. Entstanden ist damals ein Informationsfilm zu den Ursachen und Folgen des Rückzugs des großen Aletschgletschers. Die Zukunftsvisualisierungen bestehen aus 3D-Modellen, die auf wissenschaftlichen Messungen und neusten Szenarienrechnungen der Université de Fribourg beruhen.
Im intensiven Austausch mit den Glaziologen wurde früh klar, dass die Thematik des Gletscherschwunds, verursacht durch die Erderwärmung, neue und erlebnisstarke Kommunikationsformen braucht. So entstand die Idee den Gletscherrückgang in Virtual Reality zu übersetzen und dieses hochalpine Drama einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Damit war die Grundlage für die mehrjährige, interdisziplinäre Forschungsarbeit geschaffen.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von Expedition 2 Grad? Gab es einen Tiefpunkt?
Wir haben eine enorm fruchtbare interdisziplinäre Kooperation erlebt: ein Team von mehr als 10 Experteninnen der Geografie, Glaziologie, Umweltpsychologie, Pädagogik, Entwicklung und Ausstellungsdesign; alle vereint mit dem gemeinsamen Ziel, das Drama im hochalpinen Raum spürbar zu machen.
Der Höhepunkt für alle Beteiligten war die Ersteröffnung der Ausstellung im Schweizerischen Nationalpark. Es war bewegend zu sehen, wie gut die Reaktionen von Jung bis Alt, vom Laien bis zum Experten waren. Die virtuelle Erfahrung überzeugt als Ausstellungsexponat. Die Besucher
innen können damit erstmalig den Gletscherschwund im Zeitraffer erleben, persönlich und hautnah, indem der Gletscher praktisch „unter ihren eigenen Füssen verschwindet“.
Unser Ziel, die Aufmerksamkeit eines großen Publikums mittels intelligentem Storytelling und emotionalen Bildern zu gewinnen, aufzuklären und zu sensibilisieren, konnten wir erreichen.

Wo sehen Sie Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
Das Projekt ist eine Pioniertat in Sachen Umweltpädagogik und Aufklärung. Das Echo und das Interesse waren bisher enorm. Wir konnten die VR-Experience bereits an vielen Orten, Museen und Events in der Schweiz zeigen. Die Nachfrage ist ungebrochen und wenn alles günstig verläuft ist auch eine Deutschland-Tournee möglich, Berlin ist bereits auf dem Fahrplan.

Wir sind überzeugt, dass die Kombination von Vermittlung aktueller Umwelt- und Gesellschaftsthemen mit den neuen immersiven Möglichkeiten enormes Potential hat. Zurzeit befinden wir uns in der Publikationsphase eines weiteren, noch grösseren VR-Gletscher Projekts: der „VR-Glacier Experience“. Vor Kurzem wurde im Morteratsch-Gebiet, im Engadin, ein Besucherzentrum mit sieben VR Stationen eröffnet. In Form von virtuellen Touren können dort der Gletscherschwund und die Zusammenhänge des Wasserhaushalts sowie mögliche Maßnahmen zur Bremsung des Gletscherverlusts erlebt werden.
Man wird also weiterhin von uns hören und wir hoffen, mit unserer Arbeit wesentliche Impulse an die Bevölkerung und auch an die Entscheidungsträger*innen zu geben, damit der Wandel in ein postfossiles Zeitalter – den wir als Gesellschaft dringend machen müssen – rascher und nachhaltig voranschreitet.