Preisträger 2015


Insgesamt achtmal wurde der Bundespreis Ecodesign in diesem Jahr verliehen. Prämiert wurden Produkte und Konzepte aus den Bereichen Mobilität, Logistik, Mode, Energie und Ernährung.

Die feierliche Preisverleihung fand am 23. November 2015 im Bundesumweltministerium in Berlin statt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und UBA-Präsidentin Maria Krautzberger überreichten die Trophäen und Urkunden.



Kategorie Produkt


In dieser Wettbewerbskategorie konnten auf dem deutschen Markt erhältliche Produkte aus allen Designsparten und Branchen sowie Prototypen mit Marktreife eingereicht werden. Folgende vier Projekte wurden mit dem Bundespreis Ecodesign 2015 ausgezeichnet:


ENGEL SPORTS

ENGEL GmbH

Die Funktionswäsche der Marke Engel Sports besteht fast ausschließlich aus Merinoschurwolle und Seide. Auf umweltbelastende Stoffe und Fertigungsverfahren wird während des gesamten Wertschöpfungsprozesses verzichtet. Sozialstandards werden eingehalten, unnötige Transportwege vermieden und auch der Tierschutz findet in dieser Konzeption Eingang. Die antibakteriellen Eigenschaften des Wolle-Seide-Gemisches wirken der Geruchsbildung entgegen, so kann über die gesamte Lebensdauer Waschmittel gespart werden.

Jurystatement:
„Mit Merinowolle eine funktionale Sportklamotte bauen — Engel Sports zeigt, dass das geht! Statt Kunstfasern isoliert hier ein feines Gemisch aus Wolle und Seide und nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich klamm anzufühlen. Die Herkunft der Wolle ist streng kontrolliert, sodass auch an Tierschutz konsequent gedacht wurde. Endlich eine super-ökologische Alternative für den Sportswear-Bereich!“ (Dr. Kirsten Brodde)

Detailinformationen

„Wirtschaftliche Betätigung unter ökologischen Gesichtspunkten und zivilgesellschaftliches Engagement von Unternehmen derart zu gestalten, dass Synergien positiv genutzt werden können, muss heute der Leitgedanke für erfolgreich am Markt agierende Unternehmen sein. Dieses innovative Produkt zu entwickeln und erfolgreich auf einem neuen Markt zu positionieren stellte eine große Herausforderung für das Unternehmen in den letzten 3 Jahren dar. Dabei das Drei-Säulen-Prinzip aus Ökologie, Sozialem und Ökonomie konsequent zu beachten eine noch größere.“
(Firmenchefin Gabriele Kolompar, Engel GmbH)

"Bereits seit 1982 produziert die Firma ENGEL Wäsche nach ökologischen Richtlinien und ist seit 1996 mit dem höchsten Qualitätsstandard „Naturtextil IVN zertifiziert BEST“ des internationalen Verbandes der Naturtextilien ausgezeichnet. Seit 2007 ist ENGEL nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert. Beide Standards schreiben sowohl in ökologischer als auch in sozialverantwortlicher Hinsicht strikte Kriterien für die gesamte textile Produktionskette vor. Bei der Funktionswäsche der Marke ENGEL SPORTS handelt es sich um ein nachhaltiges Gesamtkonzept speziell für den Sportbereich, welches während des gesamten Wertschöpfungsprozesses eine konsequente Umsetzung hinsichtlich Funktion, Nachhaltigkeit und Design erfährt.

Sozialstandards werden konsequent eingehalten und auch der Tierschutz findet in dieser Konzeption Eingang. Lange Transportwege und die damit verbundene Belastung der Umwelt werden durch regionale Produktion vermieden. Die ENGEL GmbH übernimmt so gesellschaftliche Verantwortung, indem die regionale Wirtschaftskraft durch das Schaffen von Arbeitsplätzen in einer strukturschwachen Region wie der Schwäbischen Alb gestärkt wird.

Innovative Methoden der Verarbeitung ermöglichen die Herstellung leichter 150-g/m²-Qualität und der etwas schwereren und wärmeren 200-g/m²-Qualität. Durch die Verwendung von nur 17,5 μ starken Merinofasermaterials in Kombination mit edler Seide, wird unter der Marke ENGEL SPORTS eine für den Sport- und Outdoorbereich konzipierte Funktionswäsche aus weichem, absolut kratzfreiem Stoff mit maximalem Tragekomfort hergestellt. Verwendet wird ausschließlich umweltverträgliche und nachwachsende Merinowolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT). Die verwendete Wolle stammt aus Argentinien, wo bereits Gesetze und Kontrollsysteme zum Ökolandbau entwickelt wurden, die sich an den Erfordernissen der Zielmärkte in Europa orientieren.

Die Kombination von Merinowolle und Seide sorgt für beste Atmungsaktivität und wirkt temperaturausgleichend. Eine Beimischung von 2% Elasthan unterstützt die natürliche Elastizität der Wollfaser und gibt der Bekleidung eine hohe Formbeständigkeit. Materialeigenschaften und Schnittform passen sich optimal dem Körper an. Die natürlichen Eigenschaften der Wolle-Seide-Mischung erschweren die Ansiedlung von Bakterien, was Geruchsbildung durch Schweiß stark reduziert. Häufiges Waschen des Kleidungsstückes entfällt und die Belastung der Umwelt durch Waschmittel wird reduziert. UV-Strahlung wird auf natürliche Weise absorbiert.

Ein neu entwickeltes umweltschonendes Verfahren macht es möglich, die Wolle chlorfrei und ohne Einsatz von Chemikalien maschinenwaschbar auszurüsten und die natürlichen Eigenschaften der Wolle durch eine nachhaltige Veredelung zu erhalten. Auf umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe wird konsequent verzichtet. Das Design der Modelle spiegelt den nachhaltigen Grundgedanken der Gesamtkonzeption der Marke ENGEL SPORTS wider; dieser Grundgedanke wird
auch bei den FSC-zertifizierten, umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien umgesetzt.
Den für Mensch, Tier und Umwelt förderlichen Entstehungsprozess der Produkte beweist auch die Auszeichnung mit dem Global Organic Textile Standard (GOTS) jedes einzelnen Produktes. Es gibt im sportlichen Segment keine vergleichbaren Produkte." (Engel GmbH)

Fahrradanhänger H tour (Hinterher tour)
Hinterher.com Fahrradanhänger

Innerhalb weniger Sekunden kann der Fahrradanhänger H tour vom Anhänger zum Handwagen zum Reisetrolley zur Sackkarre zur Wanderrikscha zum Einkaufshelfer umgewandelt und ebenso schnell wieder verstaut werden. Er eignet sich als Transportmittel sowohl für Familien als auch für Handwerker und unterstützt so die Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf das Fahrrad. Das Chassis hat eine lange Lebensdauer und lässt sich komplett recyceln, der Austausch von Teilen ist mit nur einem Werkzeug möglich.

Jurystatement:
„Der Fahrradanhänger ist leicht, demontierbar, robust, wetterfest, langlebig, reparierbar und aufs Wesentliche reduziert. Modular und funktional dazu, denn in Sekunden lässt er sich auf kleinstem Raum verstauen, zu Fahrradanhänger, Handwagen oder Sackkarre umbauen. Ganz einfach und selbsterklärend. Die einzelnen Komponenten sind solide konstruiert und jeweils aus dem 'richtigen' Material hergestellt. Ganz selbstverständlich, freundlich und unaufgeregt kommt er daher. Alle Kriterien für ein gutes Produkt sind bestens erfüllt. Wunderbar!“ (Nicola Stattmann)

Detailinformationen

„Die Hinterher-Anhänger entspringen einer nachhaltigen, dem Gemeinwohl verpflichteten Transportidee, die wiederum das logische Resultat jahrelanger Auseinandersetzung ist. Wir haben nie versucht, Ecodesign oder ökologische Kriterien nachträglich in unsere Arbeit einzubringen – im Gegenteil: Die gesamte Projektkonzeption basiert bereits auf ihnen. Ein ernstgemeint nachhaltiges Projekt muss von Beginn an auf dieser Grundlage entwickelt werden, sonst bleibt es Stückwerk oder Kosmetik. Deshalb sind die folgenden Fragen und Entscheidungen bereits Projekt-Voraussetzung:

1. Handelt es sich bei dem geplanten Produkt überhaupt um etwas 'Sinnvolles'?
2. Qualität: hochwertige Materialien mit möglichst langer Lebensdauer und möglichst geringem ökologischen Fußabdruck, Berücksichtigung der kompletten Reparaturfähigkeit bereits in der Konstruktion.
3. Fertigung: umweltverträglich, regional, ohne lange Wertschöpfungsketten, kurze Transportwege, Vermeidung von Müll, Verwendung recycelbarer Materialien etc.
4. Firmenstrategie: Muss für ALLE Beteiligten Sinn machen, darf also nicht ausschließlich der Gewinnmaximierung verpflichtet sein. Natürlich spielt auch der Gewinn (und damit die Überlebensfähigkeit) eine wichtige Rolle, ist aber nicht das Hauptziel.
5. Konzeption einer Firmenstruktur, die den oben genannten Kriterien nicht widerspricht.

Die entscheidende Schwierigkeit bei einem solchen Projekt ist, neben all den Entwicklungs-, Finanzierungs- und Fertigungs- und sonstigen Problemen, der vordergründig relativ hohe Endpreis des fertigen Produkts. Vordergründig deshalb, weil bei vielen Produkten die gesamtwirtschaftlichen Folgekosten nicht miteingerechnet werden. Entscheidend deshalb, weil letztlich der Kunde bestimmt, ob das Projekt Erfolg hat oder nicht. Dass wir dann tatsächlich in kürzester Zeit viele begeisterte Händler und Käufer sowie öffentliche Anerkennung durch Preise und Auszeichnungen gewinnen konnten, spornt uns natürlich sehr an!

Die Zeit, in der wir gerade leben, hält viele schwierige Herausforderungen für uns bereit. Deshalb halten wir es für absolut notwendig, alle Aspekte unserer Arbeit, mit der wir den größten Teil unserer Lebenszeit verbringen, ernst zu nehmen und alles daran zu setzen, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen, die den eigenen Interessen und Fähigkeiten entspricht. Gerade bei einem solchen Projekt tritt jede Menge fast unüberwindbarer Schwierigkeiten auf. Trotzdem den Zielen treu zu bleiben, die man als richtig erkannt hat, ist eine ständige Herausforderung, der man sich immer wieder von neuem stellen muss. Dafür braucht es Mut und Vertrauen (und natürlich eine gute Vorbereitung).

Indem sich Ecodesign als Grundprinzip der Produktentwicklung etabliert, könnte es zum integralen Bestandteil eines Wertewandels gehören, den wir weltweit dringend benötigen. Noch Vieles wird geschehen müssen, um gegenüber einer fast ausschließlich auf Konsum und Wachstum ausgerichteten Welt einen nennenswerten Umkehrprozess in Gang zu bringen – die Notwendigkeit dafür ist offensichtlich.“ (Peter Hornung-Sohner, hinterher.com)


Eine-Welt-Solar-Kollektor
Sunlumo Technology GmbH
Design: Max Wesle, Sunlumo|ID

Mit dem Ziel, die Energiegewinnung durch Solarwärme zu einer Selbstverständlichkeit zu machen, entstand der Eine-Welt-Solar-Kollektor als günstige Lösung zur globalen Energieversorgung. Niedrige Produktionskosten machen ihn auch für Schwellen- und Entwicklungsländer interessant. Anders als vergleichbare Kollektoren aus Metall und Glas, die erhebliche Mengen energieintensiver Materialien wie Kupfer und Aluminium benötigen, ist der Eine-Welt-Solar-Kollektor vollständig aus Kunststoff gefertigt.

Jurystatement:
„Die Kraft unserer Sonne zu nutzen ist wohl eine der natürlichsten und einfachsten Möglichkeiten der Wärmeversorgung. Und das, ohne die Umwelt und das Klima zu schädigen. Der Eine-Welt-Solarkollektor bietet eine kostengünstige und ressourcenschonende Alternative zu herkömmlichen Solarkollektoren, da er weitgehend aus Kunststoff besteht und dadurch Metalle wie Kupfer und Aluminium ersetzt werden. Gerade für die Anwendung in Schwellen- und Entwicklungsländern wiegt der Kostenvorteil den etwas geringeren Wirkungsgrad dieses Kollektor-Typs wieder auf.“ (Rita Schwarzelühr-Sutter)

Detailinformationen

"Unser Ziel ist es, die Solarwärme weltweit als günstigste Lösung zur Energieversorgung zu etablieren. Mit dem Eine-Welt-Solar-Kollektor haben wir dieser Vision in einem Produkt Gestalt verliehen. Dabei stand für uns von vornherein fest, dass sich „günstig“ nicht nur auf die Herstellungskosten, sondern auch auf die Umweltverträglichkeit beziehen muss – insbesondere da dieses Produkt für den globalen Massenmarkt bestimmt ist.

Um den Eine-Welt-Solar-Kollektor zu realisieren, wurde das Produkt „Solarkollektor“ von Grund auf hinterfragt und in einem ganzheitlichen Gestaltungsansatz neu konzipiert: von den ausgesuchten Rohstoffen über die material- und energieeffiziente Bauweise bis hin zu einem möglichst geringen Transportenergieverbrauch. Das Ergebnis ist ein Solarkollektor, der zu 100% aus Kunststoff besteht und um bis zu 50% günstiger herzustellen ist als konventionelle Produkte – bei erheblich geringerem ökologischem Fußabdruck.

Das optimale Zusammenspiel aus möglichst preisgünstigen, jedoch für die Solarwärme anwendbaren und ökologisch unbedenklichen Materialien zu finden, war eine große Herausforderung. Als der erste Prototyp dann bewies, dass sich unser Konzept in der Realität bewahrheitet, dass Solarwärme wirklich zu einer erschwinglichen Massentechnologie ohne unakzeptable Nebenwirkungen für Menschen und Umwelt werden kann, waren wir begeistert. Man braucht nicht immer neue, innovative Materialien und Verfahren um bessere, ökologischere Produkte zu gestalten. Wir sollten in erster Linie lernen, Bestehendes besser zu kombinieren und anzuwenden.

Unser Wunsch für Ecodesign ist derselbe wie für die Nutzung der Solarwärme: Ein Wandel von der Optionalität hin zur Selbstverständlichkeit." Sunlumo Technology GmbH

Twitter
LinkedIn
Youtube
Facebook
Pinterest


FREITAG F-ABRIC
FREITAG lab. ag

Nach Kuriertaschen aus ausgedienten LKW-Planen produzieren die Brüder Freitag nun strapazierfähige Workpants, Workdresses, T-Shirts, Longsleeves und Concept Bags aus Hanf und Flachs. Die Ökobilanz der europäischen Bastfasern fällt in Bezug auf Wasserverbrauch und Transportwege deutlich besser aus als die von Baumwolle. Einmal aufgetragen kann die Kleidung ohne Rückstände biologisch abgebaut werden. Die Hosenknöpfe lassen sich abschrauben und wiederverwenden.

Jurystatement:
„Neue Konzepte erfordern neue Denkansätze und eine perfekte Kommunikation. 20 Jahre nach der Tasche aus LKW-Plane hat Freitag mit seiner Kleiderkollektion einen weiteren Ecodesign-Meilenstein geschaffen. Die Kollektion aus Bastfasern ist bereits im Abrieb zu 100% kompostierbar. Andere genutzte Materialien sind modular verbunden und ebenfalls getrennt recyclebar.“ (Prof. em. Günter Horntrich)

Detailinformationen

„Wir glaubten erst, zeitgemäße Kleidung aus natürlichen Fasern sei leicht zu produzieren. Aber an fast jeder Ecke stießen wir dabei auf ‚Geht-nicht-Momente‘: So macht man das nicht, das gibt es in Europa gar nicht mehr, das funktioniert so nicht. Bei jedem dieser Momente stellte sich uns die Frage: Sollen wir jetzt an unseren Prämissen schrauben? Oder finden wir einen Weg, dass es doch geht? Nach 5 Jahren Entwicklungszeit und vielen Fehlversuchen, zu sehen, dass es geht, war ein besonderer Moment.“
(Markus und Daniel Freitag)



Kategorie Service


In der Wettbewerbskategorie Service konnte das folgende Projekt die Jury überzeugen und wurde mit dem Bundespreis Ecodesign 2015 ausgezeichnet:


CoremanNet – ein Service zur Kreislaufwirtschaft
Robert Bosch GmbH / CoremanNet

CoremanNet ermöglicht, durch ein international etabliertes Logistiknetzwerk kombiniert mit einer innovativen IT-Lösung, eine systematische und effektive Kreislaufwirtschaft für gebrauchte Automobilteile. Die Altteile werden dem jeweiligen Aufarbeitungswerk rechtzeitig und in der richtigen Qualität zur Verfügung gestellt und dort instandgesetzt. Austauschteile schonen die Umwelt, da Rohmaterialien, Energie und CO2 eingespart werden, und sind für den Endkunden preiswerter als Neuteile.

Jurystatement:
„CoremanNet hat ein internationales System etabliert, in dem gebrauchte Automobilteile eingesammelt, aufbereitet und wiedereingesetzt werden. Mich hat an dem Service überzeugt, dass er Stoffkreisläufe schließt und signifikant Ressourcen einspart. Zudem ist er auch auf andere Branchen übertragbar.“
(Dr. Dietlinde Quack)

Detailinformationen

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung mit dem Bundespreis Ecodesign. Der Preis bestätigt uns darin, einen relevanten Beitrag für nachhaltiges Wirtschaften zu leisten. Gemeinsam mit unseren Kunden schaffen wir die nächste Generation einer Kreislaufwirtschaft, weg vom klassischen wertstoffmäßigen Recycling hin zu einer effizienten Wiederverwendung von Erzeugnissen. Durch das intelligente Verknüpfen von IT und Logistik ermöglicht CoremanNet einen ökologischen Service für hochwertige Produkte.

Nachhaltigkeit ist dann etabliert, wenn Verbraucher stolz sind Erzeugnisse im zweiten und x-ten Lebenszyklus zu besitzen. Und wir sind stolz darauf, den Service und die Reverse Logistic hierfür zu entwickeln.“ (Maria Bonelli, CoremanNet)


Kategorie Konzept


In der Kategorie Konzept konnten zukunftsweisende Designstudien und Modellprojekte eingereicht werden. Das folgende Projekt wurde mit dem Bundespreis Ecodesign 2015 ausgezeichnet:


Radbahn U1
Team Radbahn Berlin

Das Projekt „Radbahn U1“ möchte Berlins ersten weitestgehend überdachten Radweg realisieren. Fast neun Kilometer lang soll er vom Bahnhof Zoo bis zur Warschauer Brücke führen und so Charlottenburg, Schöneberg, Kreuzberg und Friedrichshain verbinden. Das Projekt macht die Fortbewegung mit dem Rad erlebnisreicher und sicherer, zudem stärkt das grüne Wahrzeichen Berlins Selbstverständnis als Fahrradstadt. So wird ein bedeutender Beitrag zur Verringerung von CO2 in den angrenzenden Kiezen geleistet.

Jurystatement:
„Dieses Projekt ist ein vorbildliches Beispiel dafür, wie in bestehenden aber bislang ungenutzten Ressourcen im urbanen Raum neues Potential erkannt und in ein öko-freundliches Gesamtkonzept eingebunden wird. Mit der „Radbahn U1“ kann ein Diskurs über die Attraktivität des Fahrradfahrens im Stadtverkehr in Gang gesetzt werden – diese Strecke in Berlin hat es besonders nötig.“
Ferdinand Ulrich (in Vertretung für Prof. Dr. h.c. Erik Spiekermann)



Kategorie Nachwuchs


Die Kategorie Nachwuchs ist als Querschnittskategorie zu verstehen – hier konnten Projekte aus sämtlichen Designsparten eingereicht werden. Insgesamt wurden zwei Projekte mit dem Bundespreis Ecodesign 2015 ausgezeichnet. Die Nachwuchspreise sind mit jeweils eintausend Euro dotiert.


Falscher Hase – Bugs´Bunny
Carolin Schulze
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Aus zehn kg Futtermittel kann man ein kg Rindfleisch gewinnen – oder aber neun kg Insektenfleisch. Was für westlich geprägte Menschen gewöhnungsbedürftig erscheint, könnte die Welt ernähren und die negativen Folgen der Viehwirtschaft mindern. Ein großer Vorteil ist auch die einfache Haltung der Insekten. Der „falsche Hase“ aus Mehlwürmern gibt Insektenfleisch eine neue Form, sodass es kaum von konventionellem Fleisch unterscheidbar ist.

Jurystatement:
„Das visionäre Pilotprojekt „Falscher Hase – Bugs‘ Bunny“ hat die Jury begeistert. Design nicht nur für die Optimierung singulärer Themen, sondern als eine Disziplin zu begreifen, die hilft, zivilisatorische Probleme zu lösen, ist eine generalistische Herangehensweise. Carolin Schulze produziert aus Insekten eine formbare Masse, die über einen 3D Food-Drucker zu bekannten Nahrungsmittelformen verarbeitet wird und die Insekten in einen neuen 'Aggregatzustand' befördert. Insekten zu Nahrung zu verarbeiten kann bekanntermaßen in Zukunft Welternährungsprobleme lösen – deshalb kann diese progressive Arbeit als äußerst zeitgemäß und zukunftsweisend gelten.“ (Werner Aisslinger)

Detailinformationen

„Ich würde mir wünschen, dass Ecodesign größere politische Dimensionen erreicht. Ecodesign darf anecken und kann auf verschiedenen Ebenen zum Nachdenken anregen. Nachvollziehbarkeit und Transparenz sind dabei wichtig. Denn nur zugängliche Projekte können Sensibilisierung für einen nachhaltigen Konsum schaffen. Themen, die jeden etwas angehen, müssen angesprochen werden. Ecodesign hat viele Facetten. Jeder kann durch scheinbar kleine Entscheidungen einen Beitrag leisten und großes bewirken. Dies trifft für Entscheidungen von Unternehmen ebenso zu wie für Entscheidungen von Konsumenten. Die höchste staatliche Anerkennung in der Kategorie ‚Nachwuchs‘ für ein Insektenprojekt zu erhalten ist sehr bezeichnend. Jetzt muss auch von Seiten der Gesetzgebung der rechtliche Weg für zukunftsweisende Produkte aus Insekten geebnet werden.“ (Carolin Schulze)

Offshore Cargo Management Concept
Armin Warnecke
Muthesius Kunsthochschule

Das Offshore Cargo Management Concept restrukturiert den internationalen Seegüterverkehr auf effiziente Weise und verbindet Forschungsprojekte und technologischen Fortschritt. Im Zentrum des Entwurfs steht das Feederschiff – durch Aufteilung der Transportkette laufen nur noch diese aus Ultra-Leicht-Metall produzierten Zubringerschiffe die Häfen an. Dies führt zu einer Steigerung der Lebensqualität in Hafenstädten durch Reduzierung von Emissionen und Lärm.

Jurystatement:
„Das Offshore Cargo Management Concept setzt an einer ökologisch und ökonomisch sensiblen Fragestellung unseres weltweiten Warenverkehrs an: Wie können wir den Seehandel weiter ausbauen, lebenswerte Hafenstädte erhalten und dabei ressourcen- und energieeffiziente neue Transportsysteme nutzen? In diesem komplexen Themenfeld verbindet dieses Konzept technische und logistische Innovation im Sinne der Umwelt. Eine hervorragende studentische Leistung.“ (Dr. Thomas Holzmann)

Detailinformationen

„Ecodesign bedeutet für mich im Gestaltungsprozess die Reichweite des Projekts/Produkts so gut es geht zu erfassen und zu beurteilen. Der Kontext spielt eine maßgebliche Rolle, die sich dem Auge des Nutzers meist entzieht und meiner Meinung nach unter anderem mit in den Zuständigkeitsbereich des Gestalters fällt.

Ökologisches Denken sollte in jeder Entwicklung eine große Rolle spielen. Die Schifffahrt geht heutzutage hauptsächlich auf die primären Umweltbelastungen ein, lässt jedoch weitestgehend die Folgen dieser ‚Lösungen‘ außer Acht. Eine ganzheitliche Betrachtung der Transportkette brachte viele, zusammenhängende Aspekte hervor.
Die radikale Umstellung auf E-Mobilität löst eine Kettenreaktion des Strukturwandels aus, die von der Steigerung der Lebensqualität in Hafenstädten bis hin zu neuen Komponenten der Transportkette vor den Küsten reicht. Kleinere Schiffe in Seehäfen sind nicht mehr auf unzählige Schlepper und Anlegerboote angewiesen und kommen mit der begrenzten Aktionsfläche besser aus. Dieses Projekt interpretiert den Begriff der Ökologie als weitgreifenden Schirm, unter dem sich alles andere anordnet.

In einem so etablierten Bereich wie der Containerschifffahrt ein neues Konzept vorzuschlagen erwies sich in vielen Gesprächen mit bereichsinternen Experten als schwierig. Es verdeutlichte die Denkweisen der aktuellen Steakholder und deren extrem starke Bindung an die Wirtschaftlichkeit möglicher Perspektiven, aber auch die Schlagkraft, die eine disruptive Idee haben könnte. Erst wenn man sich von den Restriktionen bestehender Strukturen löst und freies Imaginieren zulässt, neue Ideen radikal zu Ende denkt, entstehen wünschenswerte Perspektiven, von denen man reale Lösungen ableiten kann. Diesen Schritt aus der Komfortzone in den frei schwebenden Bereich zu gehen, hat die meiste Kraft gekostet.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die für mich aus diesem Projekt hervorgingen, war die, dass man die Freiheiten des Studiums ausnutzen sollte, um auch ‚weite Würfe‘ auszuprobieren. In der Zeitspanne eines Semesters wird man niemals zu einem Experten des jeweiligen Projektthemas, doch diese Unbefangenheit kann genau der richtige Ausgangspunkt für neue Ideen sein, die die Experten wiederum auf neue Ideen bringen. Halbwissen kann gefährlich sein, aber auch die nötige Freiheit für weitreichende Perspektiven lassen.“ (Armin Warnecke)

Gefördert von


BMU
UBA

entwickelt und durchgeführt von


IDZ

Mit Unterstützung von


Beirat
Medienpartner

Bei Fragen


info@bundespreis-ecodesign.de


Wichtige Informationen zum Download finden Sie im


Downloadbereich