Preisträger 2018


Insgesamt neun Beiträge wurden in diesem Jahr mit dem Bundespreis Ecodesign prämiert. Die Preise wurden für innovative Produkte, Dienstleistungen und Konzepte vergeben.

Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung am 26. November 2018 im Bundesumweltministerium in Berlin, ehrten Bundesumweltministerin Svenja Schulze und UBA-Präsidentin Maria Krautzberger die von der interdisziplinären Fachjury ausgewählten Preisträgerinnen und Preisträger.



Kategorie Produkt


Vier Beiträge wurden mit dem Bundespreis Ecodesign 2018 in der Kategorie Produkt ausgezeichnet. In dieser Wettbewerbskategorie konnten sich Unternehmen aus allen Designsparten und Branchen mit Produkten sowie Prototypen mit Marktreife bewerben, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind bzw. bei denen dies geplant ist.


1 für 4 Papier
COMPOSTELLA

„1 für 4 Papier“ ist ein reines Zellulosepapier, das aus Holz hergestellt wird. Dank einer mechanischen Behandlung ist es fettdicht, hitzebeständig und für den direkten Kontakt mit Lebensmitteln geeignet. Es kann somit konventionelle Haushaltsprodukte wie Alu- und Frischhaltefolie sowie silikonisiertes Backpapier ersetzen. Das verwendete Holz stammt aus skandinavischem Durchforstungsholz, das bei der Waldpflege anfällt.

Jurystatement:
„1:4 Papier ist inhaltlich und technisch ein überdurchschnittlich innovatives Produkt mit vielen Anwendungsmöglichkeiten und sehr überzeugenden Produkteigenschaften. Es ist erdölfrei, lebensmittelecht, hitzebeständig, dicht und dehnbar und vor allem kompostierbar. Dadurch spart es sowohl in der Nutzung als auch in der Entsorgung jede Menge Ressourcen.“
Prof. em. Günter Horntrich

Drei Fragen an COMPOSTELLA

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu „1 für 4 Papier“ hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
Ich war in den 80-er Jahren in einer Papierfabrik beschäftigt und für das Marketing verantwortlich. Wir wollten testen, ob es möglich ist, ein restlos kompostierbares Papier herzustellen, um es Mc Donalds anzubieten, die seinerzeit eine umweltfreundliche Verpackung für Hamburger gesucht hatten. Dies war uns gelungen, wir hatten ein naturreines Papier entwickelt, das völlig frei von chemischen Zusätzen war und sich innerhalb weniger Tage selbst in der freien Natur restlos kompostierte. Mc Donalds fand die Idee gut, aber nicht den Preis, deshalb wurde das Papier abgelehnt. Für mich aber war klar: Dieses Papier muss Zukunft haben.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von „1 für 4 Papier“? Gab es einen Tiefpunkt?
Der Tiefpunkt war zweifellos, als ich merkte, dass sich das Papier nicht verkauft, weil es zu teuer war. Dann ging die Papierfabrik insolvent und ich musste meinen Hut nehmen und mir etwas anderes suchen. Inzwischen merke ich, der Höhepunkt des Papiers fängt jetzt gerade erst an, wo den Menschen die Verseuchung der Bäche, Flüsse, Seen und Meere mit Mikroplastik vor Augen geführt wird. Der persönliche Höhepunkt steht also noch bevor, und ich bin ganz sicher, alles hat seine Zeit, und für dieses Papier beginnt jetzt die Zeit und löst bei vielen Leuten die Erkenntnis aus: „Mensch, mit diesem Papier brauchen wir ja gar keine Folien mehr!“

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
Ich sehe mich künftig als Vorreiter für kompostierbare Alternativen. Für mich lautet die Devise: Nicht das Recycling ist die Zukunft, sondern die Kompostierung. Denn recycelte Produkte werden am Ende ihrer Laufzeit immer verbrannt und verschwinden unwiederbringlich. Bei der Kompostierung zerfallen die Produkte hingegen zu Erde und bilden somit den Nährboden zu neuem Leben.



Fashion4Biodiversity
Cocccon, Creativity can care

Der Einsatz von Chemikalien in der Seidenraupenzucht bedroht viele Tier- und Pflanzenarten. Cocccon hat ein natürliches Mittel entwickelt, das ähnliche Ergebnisse wie chemische Fungizide und Pestizide erzielt, die Metamorphose der Seidenraupen aber nicht unterbricht. Cocccon ist es so gelungen, GOTS-zertifizierte Bioseide herzustellen und für Modekollektionen zu nutzen. Mit jedem Stück verkaufter Seide werden auch Informationen über den Prozess der Seidenherstellung weitergegeben.

Jurystatement:
„Die Herstellung von hochwertigen Seidentextilien im Kontext von Tierwohl und den Auswirkungen auf die direkte Umwelt und Artenvielfalt in der Region zu denken, zeichnet dieses Projekt aus. Aus einer konventionellen Seidenfarm ist eine umfassend gesunde und faire Supply Chain entstanden, bei der die Metamorphose der Seidenraupen nicht unterbrochen wird.“
Prof. Friederike von Wedel-Parlow

Drei Fragen an Cocccon

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu Fashion4Biodiversity hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
Uns war vom ersten Augenblick an klar, dass es ein langer Weg sein wird. Als Cocccon 2011 die konventionelle Seidenfarm übernahm, war der Boden aufgrund des übermäßigen und unnötigen Einsatzes von Chemikalien und durch fehlende Mikroorganismen völlig unfruchtbar. Wir haben keinen Moment daran gezweifelt, dass unser nachhaltiges ökologisches Geschäftsmodel „Fashion4Biodiversity“ ein zukunftsfähiges und erfolgreiches Projekt sein wird.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von Fashion4Biodiversity? Gab es einen Tiefpunkt?
Unser persönlicher Höhepunkt besteht in der Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort und dem Austausch von Wissen. Es ist schön zu sehen, wie sich das Projekt Schritt für Schritt in die richtige Richtung entwickelt und wie wir es geschafft haben, ein Stück Natur zu rekultivieren. Tiefpunkte und Rückschläge gibt es in jedem Projekt. Der Glaube daran, das Richtige zu tun und niemals aufzugeben sind unsere Stärken.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?

Unser Ziel ist es, Cocccon als den weltweit führenden Anbieter für nachhaltig, fair und ökologisch produzierte Ahisma Seidenstoffe (Peace-Silk) und Seidenprodukte im Luxus-Segment zu etablieren sowie Öko-Stoffe und andere marktfähige Produkte aus organischen Rohstoffen zu entwickeln. Wir haben die Vision, ein nachhaltiges Dorf mit Bildungseinrichtungen und Öko-Tourismus zu schaffen, um die Idee von „Fashion4Biodiversity“ weiter zu verbreiten.

„SHIFT6m“ ist ein modular aufgebautes Smartphone. Klick- und Schraubverbindungen erleichtern die Reparatur der Komponenten und tragen zu einer Verlängerung der Lebensdauer bei. Hierzu bietet das Unternehmen Tutorials an und liefert passendes Werkzeug mit. Das Öffnen des Geräts hat keinen Einfluss auf den Gewährleistungsanspruch. „SHIFT6m“ wird unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Das Unternehmen hat zudem ein Pfandsystem für die Geräterückgabe eingerichtet.

Jurystatement:
„Das SHIFT6m ist ein Leuchtturmprojekt in einer Branche, in der Nachhaltigkeit bisher noch kaum eine Rolle spielt. Bei diesem Smartphone wurden alle Aspekte ökologischer Produktgestaltung berücksichtigt. Besonders hervorzuheben sind der modulare Aufbau, die Reparaturanleitungen sowie das Rücknahmesystem, die zu Langlebigkeit und Ressourcenschonung beitragen. Zudem steht es im Design seinen Konkurrenten in keiner Weise nach und stellt somit eine echte umweltfreundliche Alternative dar!“
Dr. Thomas Holzmann

Drei Fragen an SHIFT

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu SHIFT6m hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
Oh ja, wir können uns sehr gut an den Moment erinnern. Wir hatten gerade mit unserem mobilen Kamerakran, dem iCrane, erfolgreich eine Crowdfunding Kampagne hinter uns gebracht. Die Idee des Crowdfundings hat uns begeistert und die Frage aufgeworfen: Was kommt jetzt? Ein Field Monitor sollte es eigentlich werden. Je tiefer wir uns jedoch in die Entwicklung einarbeiteten, desto sinnvoller schien es uns, ein universelleres Device zu bauen, nämlich ein Phablet. Weil sich der Zeitraum über mehrere Wochen erstreckte, fühlte es sich weniger nach einem Moment, als nach einem Prozess an. Wir erinnern uns aber gut an einen Moment, an dem Carsten, Samuel und Rolf gemeinsam am Besprechungstisch saßen und realisierten: Wir sind jetzt ein Smartphone-Hersteller.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von SHIFT6m? Gab es einen Tiefpunkt?

Eigentlich dürfte es die SHIFT GmbH nicht geben. Dass zwei Brüder gemeinsam mit ihrem Vater ohne Kapital und ohne Referenzen im Bau von Smartphones genug Unterstützer im Crowdfunding finden, die ihnen Vertrauen schenken und das Projekt finanzieren, ist absolut unrealistisch. Dass wir die richtigen Partner und Zulieferer gefunden haben, die sich auf unsere marktunüblichen Vorstellungen eingelassen haben, empfinden wir als ein Wunder. Nur durch unsere Unterstützer im Crowdfunding, unser unglaublich motiviertes Team und unsere Freunde und Familie, die uns immer wieder Mut gemacht haben, konnten wir SHIFT realisieren. Die persönlichen Höhepunkte sind, wenn wir im Gespräch mit Partnern oder Kunden von SHIFT erzählen und sehen können, wie der Funke unserer Begeisterung und Leidenschaft überspringt und das möglich macht, was für andere unmöglich scheint.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
Wir können es leider nicht verhindern: Ständig haben wir neue Ideen, die wir in den nächsten Jahren umsetzen wollen. Allen voran unser SHIFTmu, ein weltweit einzigartiges Projekt, welches das Smartphone zu einem Universalgerät macht. In einem Moment noch Tablet, im nächsten schon ein vollwertiger PC oder ein Smartphone. Wir mögen smarte technologische Produkte und werden mit unseren kommenden Projekten in ganz neue Bereiche vordringen. Außerdem wollen wir unsere Produkte immer modularer und noch nachhaltiger machen. Wir wollen mit unseren SHIFTPHONES ein Zeichen setzen auf dem Technologiemarkt. Vielleicht produziert bereits in fünf Jahren der Großteil der Hersteller ähnlich modular und nachhaltig, wie wir es tun.

„VELOSPEEDER“ ist ein ultraleichter nachrüstbarer Fahrradmotor. Angebracht an der Hinterradfelge, verwandelt der Reibradantrieb ein herkömmliches Fahrrad in ein Pedelec. Zwei Elektromotoren verkeilen sich hierzu paarweise an den Felgenflanken und treiben das Rad an, ohne dabei die Felgen zu beschädigen. Im Vergleich zu massiveren Naben- oder Mittelmotoren können bei der Herstellung signifikant Ressourcen gespart werden.

Jurystatement:
„Der Velospeeder überzeugt mit einem gut durchdachten Antriebskonzept, mit dessen Hilfe Bestandsfahrräder bei überschaubarem Aufwand zu einem vollwertigen E-Bike nachgerüstet werden können. Das erleichtert und befördert den dringend notwendigen Umstieg vom Auto auf eine ressourcen- und umweltschonendere Individualmobilität.“
Andreas Detzel

Drei Fragen an VELOGICAL engineering

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu VELOSPEEDER hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
Im Spätherbst 2011 schlug Peter Friedens Lebensgefährtin vor, mit Ogando zu sprechen, um seine Erfindungsideen rund um Fahrradtechnik zu vermarkten. Im Gespräch stellten wir fest, dass wir uns beide für die Entwicklung kleiner, leichter Motoren für die E-Mobilität interessieren. Wir gingen das Projekt an und das erste noch behelfsmäßige Konstrukt mit modifizierten handelsüblichen Modellflugmotoren lief schon erstaunlich gut. Diese Schlüsselerfahrung gab uns den Motivationsschub, einen Reibradantrieb mit variablem Anpressdruck für Fahrräder zu entwickeln, der auf der Felgenflanke läuft.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von VELOSPEEDER? Gab es einen Tiefpunkt?
Ein Höhepunkt war sicherlich der Moment, als Ende 2012 die ersten selbst konstruierten Prototypen fertig waren und funktionierten. In diesem Augenblick wurde klar, dass wir auf dem richtigen Weg sind und wir gründeten die Firma VELOGICAL von Beginn an als GmbH. Einen Tiefpunkt hatten wir zum Beispiel im unerwartet heißen Sommer 2015, als uns klar wurde, dass wir in die kleinen Motoren einen Thermoschutz einbauen müssen. Inzwischen ist dieses Problem längst gelöst.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
In fünf Jahren werden wir den VELOSPEEDER Antrieb bis zum Anschlag perfektioniert haben. Unserem Selbstverständnis folgend, behalten wir unsere Bodenhaftung bei und bauen den Vertrieb und die Produktion Schritt für Schritt aus, derzeit zunächst bei Endkunden, ersten Händlern und ausgewählten Manufakturen. Für die Nutzung unserer Patente bei der Entwicklung eines Massengeschäfts in Europa, den USA und China sind wir offen für Geschäftspartnerschaften.



Kategorie Konzept


In dieser Wettbewerbskategorie werden zukunftsweisende Designstudien sowie Modellprojekte ausgezeichnet. Der Preisträger des Jahres 2018 in der Kategorie Konzept ist "Magnic Microlights" ein Bremsschuh mit integrierter Dynamo-Fahrradbeleuchtung:

„Magnic Microlights“ sind Bremsschuhe mit einer integrierten Dynamo-Fahrradbeleuchtung. Die berührungslosen, auf Wirbelstrombasis arbeitenden Felgendynamos funktionieren ohne Zusatzkomponenten und können an Fahrradfelgen aus Aluminium montiert werden. Auf Batterien, störanfällige Kabel oder zusätzliche Halterungen kann so verzichtet werden.

Jurystatement:
„Eine äußerst effiziente Lösung: Unter Einsatz von Neodym-Magneten wird durch die sich drehende Felge reibungslos ein Wirbelstrom erzeugt, der die Fahrradbeleuchtung speist. Ein Akku ist nicht erforderlich. Durch die intelligente Befestigung unter Nutzung der vorhandenen Bremsklotz-Halterung kommt das Produkt mit sehr wenigen Bauteilen aus."
Prof. Matthias Held

Drei Fragen an Magnic Innovations

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu Magnic Microlights hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
Die Idee zu Magnic Microlights entstand im Juni 2011 aus Experimenten zu Wirbelstrombremsen an Fahrrädern. Mein Bruder Jörn und ich sind leidenschaftliche Radsportler. Wir haben uns stets mit Eigenentwicklungen am Rad beschäftigt. Nachdem uns theoretisch klar war, dass das Prinzip des Wirbelstromdynamos an Alufelgen funktionieren muss, brachte eine erste ad-hoc Markt- und Patentrecherche das Ergebnis, dass es solche Systeme bislang noch nicht gab. Mir war klar, dass dieses für viele Radfahrer die perfekte Lösung ist, was den Anstoß zum Bau eines Prototypen und einer schnellen eigenen Patentanmeldung innerhalb weniger Tage gab.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von Magnic Microlights? Gab es einen Tiefpunkt?
Der Höhepunkt war es sicherlich, im Jahr Frühjahr 2012 das erfolgreiche erste Crowdfunding-Projekt auf der weltgrößten Crowdfunding-Plattform Kickstarter zu sein. Angesichts mangelnden Interesses namhafter Hersteller schien eine Crowdfunding-Kampagne die beste Möglichkeit zur Umsetzung der Idee in Eigenregie. Die neben der Arbeit privat betriebene Kampagne endete mit der erfolgreichen Finanzierung von über 76.000 US Dollar und war zum damaligen Zeitpunkt das erfolgreichste deutsche Kickstarter-Projekt. Das Erreichen des Finanzierungsziels von 50.000 US Dollar war nicht nur ein wichtiger Meilenstein, sondern zugleich Ausgangspunkt für die Firmengründung und die anschließende Produktion.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
Durch das neue Konzept der Integration in Bremsschuhe konnten wir die Problematik relativ kompliziert anzubringender Adapter lösen, und durch einen neuen Gesetzesentwurf für integrierte Dynamolampen ist nun auch die StVZO-Zulassung für unsere Technik in Deutschland ermöglicht worden. Damit ist der Weg frei, unsere Technik im wichtigen deutschen Fahrradmarkt aber auch weltweit zu etablieren, sodass innerhalb von fünf Jahren die Erringung eines relevanten Marktanteils realistisch ist. Da mit unseren Lampen ausgerüstete Räder wie selbstverständlich dauerhaft beleuchtet sind, erwarten wir durch den Komfortgewinn neben der Steigerung der Attraktivität des Radfahrens auch sinkende Unfallzahlen mit Radfahrern.



Kategorie Service


Das Projekt "Refill" konnte die Jury in der Wettbewerbskategorie Service überzeugen und wurde mit dem Bundespreis Ecodesign 2018 ausgezeichnet.


Refill
Refill Deutschland
Design: elbmedien

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Die ehrenamtliche Initiative „Refill“ setzt sich für kostenfreies Leitungswasser für unterwegs ein. Teilnehmende Läden füllen mitgebrachte Wasserflaschen ohne Entgelt auf. Wer sich an der Aktion beteiligt, lässt sich online einsehen oder an dem „Refill“-Aufkleber an Fenstern oder Türen der Lokale erkennen. „Refill Deutschland“ wurde im Frühjahr 2017 in Hamburg gegründet. Weitere Städte haben sich der Bewegung bereits angeschlossen.

Jurystatement:
„Die ehrenamtliche Initiative Refill hat einen erfrischend einfachen und wegweisenden Grundgedanken: Sie gestaltet und produziert kein neues Produkt, sondern entwirft soziales und umweltfreundliches Verhalten. Egal, welches Gefäß man zur Refill-Station mitbringt, das abgefüllte Wasser kommt aus dem Hahn – das erspart den unsinnigen Kauf von Plastik-Wasserflaschen.“
Prof. Anna Berkenbusch

Drei Fragen an Refill

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu Refill hatten? Wie wurde die Idee zur Initiative?
Als Bloggerin zum Thema „plastikfreier leben“ habe ich mich im Oktober 2016 mit dem Thema Leitungswasser und Plastikflaschen beschäftigt, als ich auf Twitter von der Refill Initiative in Bristol las. Ich war sofort überzeugt, dass gerade in Deutschland mit seinem qualitativ guten Leitungswasser ein gutes Beispiel gesetzt werden könnte, Plastikflaschen einzusparen.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von Refill? Gab es einen Tiefpunkt?
Die vielen begeisterten und engagierten Menschen, die Refill-Stationen gegründet haben oder es ehrenamtlich auf sich nehmen, als OrganisatorInnen an Refill mitzuwirken, freuen mich sehr. Und wenn ein begeisterter Refiller berichtet, auf Radtouren nette Menschen bei Refill-Stationen kennen gelernt zu haben, die ihm Wasser und nette Worte mitgaben, dann rührt mich das sehr. Ich hatte das Privileg, auch für Refill Greece und Refill Luxemburg beratend mitwirken zu können. Auch dort wird Refill genutzt.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
Refill wird weiter wachsen, denn Plastikmüll ist eines der größten Probleme mit denen wir momentan konfrontiert sind. Als niedrigschwelliges Projekt, das viele Aspekte unseres Lebens betrifft, ermöglicht es Menschen mit einem kleinen Schritt nachhaltiger zu leben. Wir arbeiten daran, das Netz der Refill Stationen weiter auszubauen. Wir wollen die Bekanntheit steigern, damit die Stationen auch genutzt werden. Wenn wir Glück haben, findet auch ein Prozess des Umdenkens nicht nur unterwegs, sondern auch zu Hause statt. Denn auch dort sollte Wasser aus Plastikflaschen Geschichte sein.



Kategorie Nachwuchs


Mit dem Bundespreis Ecodesign Nachwuchs 2018 wurden die drei Projekte "M-Frame", "Shards" und "Urban Terrazzo" ausgezeichnet. Die Kategorie Nachwuchs vereint Projekte aller Designsparten und bietet einen Ausblick auf innovative zukunftsweisende Projekte. Die Nachwuchspreise sind mit jeweils eintausend Euro dotiert.


M-Frame
Tobias Bahne, Yvonne Cosentino, Ioannis Jyftopoulos, Michael Then
Technische Universität München

„M-Frame“ ist eine Türzarge mit integrierter Modulschnittstelle. Türnahe Objekte wie Lichtschalter oder Thermostate können darüber gebündelt mit Strom versorgt werden. Ein Aufstemmen der Wand und das individuelle Verkabeln fallen somit weg. Einzelne Module können zudem getauscht, ergänzt oder in der Höhe verstellt werden.

Jurystatement:
„Das System überzeugt durch mehrfache Nachhaltigkeit, da es gebäude- und ressourcenschonend nachgerüstet werden kann und die Module den jeweiligen Nutzeranforderungen entsprechend flexibel angepasst und ausgetauscht werden können. Der minimale bauliche Eingriff und die hohe Flexibilität bei der Auswahl und Positionierung der Module sorgen zusätzlich für eine lange Nutzungsdauer des Systems.“
Prof. em. Günter Horntrich

Drei Fragen an Tobias Bahne, Yvonne Cosentino, Ioannis Jyftopoulos, Michael Then

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu M-Frame hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
M-Frame entstand im Rahmen des Industrial Design Semesterprojekts „die Tür“ an der TU München. Zu Beginn, bei der Feldrecherche auf verschiedenen Baustellen wurde schnell klar, dass ein ökologisch fokussiertes Produktkonzept in diesem Bereich besonders große Wirkung haben könnte. Unser interdisziplinär aufgestelltes Team rückte die NutzerInnen in den Fokus und leitete daraus verschiedene Schwerpunkte ab. Besonders wichtig waren zum Beispiel Einbau und Nachrüstung, Funktionalität, Realisierbarkeit, besondere ökologische Verträglichkeit und natürlich ein ansprechendes Äußeres.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von M-Frame? Gab es einen Tiefpunkt?

Eine Herausforderung war die Umsetzung und Vereinbarkeit der verschiedenen Schwerpunkte. Es gelang uns dennoch ein Konzept zu entwickeln, in dem sich diese Schwerpunkte gewinnbringend kombinieren ließen. Eine Konzeptevaluation bestätigte, dass wir den NutzerInnen erstmals die individuelle Anpassbarkeit der Schnittstelle zwischen Mensch und Gebäude ermöglichen können. Gleichzeitig konnten wir auch die ökologischen Anforderungen realisieren und die technische Umsetzbarkeit betrachten. Dass dadurch ein ganzheitliches und zukunftsweisendes Konzept entstand, wurde uns aber erst durch die Bestätigung durch NutzerInnen und ExpertenInnen bewusst.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?

Die Auszeichnung mit dem Bundespreis Ecodesign in der Kategorie Nachwuchs bestätigt die fachliche Relevanz des Projekts und zeigt, dass sich DesignerInnen erfolgreich ökologischen Anforderungen stellen und gleichzeitig ein modernes und nutzerfreundliches Produkt gestalten können. Die Stärke von DesignerInnen, sich schnell in verschiedene Fachgebiete einzuarbeiten und mit Methodik zu neuen Ansätzen zu kommen, lässt weitere zukunftsweisende, abwechslungsreiche und erfolgreiche Projekte erwarten. Dazu möchten wir gerne unseren Teil beitragen.


Shards
Lea Schücking
Kunsthochschule Kassel

„Shards“ ist ein Urban-Mining-Projekt: Aus Bauschutt stammende Ziegel und rezykliertes Glas werden zerkleinert, vermischt und zu Fliesen gebrannt. Die Farbigkeit und Haptik wird durch die Art der eingesetzten Ziegel, das Mengenverhältnis zum Glas und den Verlauf der Temperaturkurve bestimmt. „Shards“ ist ein zirkuläres System, in dem ohne Qualitätsverlust und mit geringem Energieverbrauch zerbrochene Fliesen zu neuwertigen Fliesen verarbeitet werden.

Jurystatement:
„Shards steht für das ökologische und ästhetische Potential sogenannter Urban-Mining-Projekte. Glas und Ziegelsteine aus dem Bauschutt werden in einem energetisch bewussten Verfahren zu neuen Fliesen gebrannt, die sich in Farbigkeit und Haptik dezidiert vom allgemeinen Standard unterscheiden. Jedes Stück ist ein Unikat mit ganz eigener Anmutung.“
Werner Aisslinger

Drei Fragen an Lea Schücking

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu Shards hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
Materialien zu entwickeln und Rohstoffe zu kombinieren fand ich schon immer spannend. Besonders wenn die Kombination zweier Rohstoffe etwas ganz neues und eigenes entstehen lässt. Die Idee, Bauschutt zu verwenden hatte ich im Rahmen eines Uni-Projektes zum Thema Upcycling. Ich wollte Rohstoffe nutzen, die in großen Mengen verfügbar sind und als „Abfälle“ verkannt im Container landen. Dass aus „Shards“ ein Business werden kann, zeigte mir das große Interesse von außen. Durch Urban Mining – die Verwendung von Sekundärrohstoffen der Stadt – kann viel bewegt werden und ich freue mich, wenn ich als Produktdesignerin dazu beitragen kann.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von Shards? Gab es einen Tiefpunkt?
Ein neues Material zu entwickeln ist immer ein wagemutiges und zeitintensives Unterfangen, bei dem es wichtig ist, für Veränderungen offen zu bleiben und das Material nicht in ein Korsett zwängen zu wollen. Man arbeitet sich Schritt für Schritt vor und stellt lange Versuchsreihen an. Aber irgendwann kommt dann der Moment, in dem man sich entscheiden muss, ob man mit dem Material geht oder mit der geplanten Anwendung. In meinem Fall habe ich lange versucht, das Material als Schale zu formen. All die aufwendig hergestellten Schalen kamen jedoch flach aus dem Ofen. Aus purer Frustration ließ ich das Projekt vorerst ruhen und widmete mich anderen Dingen. Es brauchte Monate, bis mir eines Tages plötzlich klar wurde, was das Material werden wollte und wie ich es anstellen könnte. Das war die Geburtsstunde der Fliesen „Shards“.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
Ich glaube, dass Verbraucherinnen und Verbraucher schon lange bereit sind für mehr Produkte aus Sekundärrohstoffen. Ich sehe meine Fliesen in vielen Küchen, auf Terrassen, in Gastronomiebetrieben und im Wellnessbereich. Das Schöne an einer Materialentwicklung wie dieser ist die stetige Möglichkeit der Weiterentwicklung. Für „Shards“ bedeutet dies nicht nur neue Formatgrößen und Anwendungsbereiche, sondern auch eine Erweiterung der Ausgangsrohstoffe und damit auch der Produktpalette. Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, Fliesen aus Bauschutt nicht den Vorrang zu geben. Ich hoffe, innerhalb der nächsten fünf Jahre die richtigen Partner gefunden zu haben, mit denen ich das volle Potenzial von „Shards“ entfalten kann. Ich freue mich auf diesen Weg und bin gespannt auf die Rohstoff- und Projektwelten, die mir dabei begegnen.


URBAN TERRAZZO
TFOB / They Feed Off Buildings
Universität der Künste Berlin

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„URBAN TERRAZZO“ nutzt Bauschutt für ein neues Oberflächenmaterial: Beton, Ziegel und andere Baustoffe werden nach den Prinzipien der traditionellen Terrazzo-Kunst und mithilfe zeitgenössischer Technologie zusammengefügt. Ultrahochfester Beton verleiht dem Material seine strukturelle Stabilität, geriebene Pigmente aus alten Ziegeln seinen ästhetischen Charakter. Durch die Wiederverwendung von Bauschutt trägt der Werkstoff zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft im Bauwesen bei.

Jurystatement:
„Terrazzo ist ein tolles Material – der Klassiker sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch immer wieder reparierbar. Da URBAN TERRAZZO gebrauchtes Material, also recycelten Bauschutt enthält, hat es eine Geschichte und berücksichtigt durch die Ressourceneffizienz auch die Zukunft!“
Rita Schwarzelühr-Sutter

Drei Fragen an TFOB

Können Sie sich an den Moment erinnern, an dem Sie die Idee zu URBAN TERRAZZO hatten? Wie wurde die Idee zum Produkt?
Die Idee für das Upcycling-Produkt URBAN TERRAZZO hat sich aus einer Design-basierten Forschung zur Ressourcennachhaltigkeit entwickelt. „Seit Jahrzehnten gehören Kräne und Schuttcontainer zum Stadtpanorama [Berlins].“ Dear Magazin „Poesie in Beton“ 2018
Allein in Berlin fallen jährlich rund 5 Mio. Tonnen an Bauschutt an. Das meiste davon landet immer noch auf unseren Deponien. Als Designerinnen ist es uns ein Anliegen, den als nutzlos deklarierten alten Baustoffen zu neuem Leben zu verhelfen. Bisher ist die Devise der standardisierten Industrie, recycelt genau wie neu aussehen zu lassen. Für den Kunden ist das nachhaltige Produkt also kaum zu erkennen. Hier machen wir mit URBAN TERRAZZO den Unterschied. Jedes Stück URBAN TERRAZZO ist so einzigartig wie seine Ursprungsgeschichte.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt im Entwicklungsprozess von URBAN TERRAZZO? Gab es einen Tiefpunkt?
Die Entwicklung von URBAN TERRAZZO war für uns von Anfang an eine spannende Reise in eine neue Disziplin. Als Designerinnen sind wir Quereinsteigerinnen in der Baubranche. Anfangs war es dabei nicht immer einfach, ernst genommen zu werden. Es war für uns somit ein wichtiger Lernschritt, die Expertise von Fachkräften zu nutzen, um von den ersten Prototypen zum marktreifen Produkt zu gelangen. Heute arbeiten wir eng mit Technologieunternehmen, Produzenten und anderen Kreativen zusammen, um URBAN TERRAZZO industrielle Realität werden zu lassen. Mit unserem wachsenden Netzwerk und zunehmender Erfahrung entwickelten wir unser eigenes Produktions- und Vertriebsmodell. Heute sprechen wir gleichermaßen mit ArchitektInnen und DesignerInnen, wie mit Recyclinghöfen und Beton-Produzenten über unsere Umsetzung. Hinter URBAN TERRAZZO steckt also wahre Team-Arbeit.

Wo sehen Sie sich und Ihr Projekt in den nächsten fünf Jahren?
URBAN TERRAZZO wird heute auf zwei unterschiedliche Arten von uns produziert. Zum einen stellen wir in Zusammenarbeit mit unserer deutschen und unserer italienischen Manufaktur URBAN TERRAZZO STANDARD als Upycling-Produkt aus lokalem Bauschutt her. Wir können hier den kleinen, wie auch den großen Maßstab bedienen – von der Arbeitsplatte bis zur Bodenfliese. Wir hoffen, mit diesem Modell in Zukunft auch für öffentliche Bauträger interessant zu werden, um das Baustoffupcycling einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Zum anderen bieten wir URBAN TERRAZZO CUSTOM-MADE an. Das ist unser Liebhaber Produkt. Es ist uns ein Anliegen, die Spuren der alten Architektur wertzuschätzen und ein Gebäude wirklich kreislauffähig zu denken. So wird beispielsweise aus der abgerissenen Wand eines alten Forsthauses ein neues Terrazzo-Waschbecken. Wir möchten den Spuren alter Architekturen zu neuem Leben verhelfen. Dies kann auch für größere Bauvorhaben mit bauhistorischer Relevanz von großem Interesse sein. URBAN TERRAZZO ist somit eine Form der progressiven Denkmalpflege.

Gefördert von


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UBA

entwickelt und durchgeführt von


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